176th Annual General Conference, April 2006

Wir m?ssen ein Zuhause schaffen, in dem man das Evangelium weitergibt

Elder M. Russell Ballard
vom Kollegium der Zw?lf Apostel

Ein Zuhause zu schaffen, in dem das Evangelium an andere weitergegeben wird, ist die einfachste und wirksamste Art, anderen das Evangelium mitzuteilen.

Meine Br?der und Schwestern, vor einigen Wochen wurden mir beide Kniegelenke bei einem chirurgischen Eingriff ersetzt. Wenn ich also sage, dass ich dankbar bin, heute vor Ihnen zu stehen, ist das kein leeres Gerede. W?hrend der Genesungszeit bin ich daran erinnert worden, wie gesegnet wir doch sind, dass wir vom S?hnopfer Jesu Christi wissen. Ich bin ?berw?ltigt, wenn ich ?ber die Schmerzen und das Leid nachdenke, die er f?r uns in Getsemani und am Kreuz ertragen hat. Ich kann nicht begreifen, wie er das ausgehalten hat. Aber ich danke ihm, und ich liebe ihn mehr, als Worte es ausdr?cken k?nnen.

Ich danke auch Pr?sident Hinckley, und zwar daf?r, dass ich mit ihm am Geburtsort des Propheten Joseph Smith weilen durfte. Joseph Smith haben wir viel zu verdanken. Ohne die Wiederherstellung w?rden wir nichts ?ber das wahre Wesen Gottes, unseres himmlischen Vaters, oder ?ber unser eigenes g?ttliches Wesen als seine Kinder wissen. Wir w?rden nicht verstehen, dass wir ewig existieren, noch w?rden wir wissen, dass die Familie f?r immer zusammen sein kann.

Es w?re uns nicht bewusst, dass Gott auch heute zu seinen Propheten spricht, angefangen bei der wunderbaren ersten Vision, in der der Vater und der Sohn dem Propheten Joseph Smith erschienen sind. Wir h?tten nicht die tr?stliche Gewissheit, dass wir durch einen Propheten, Pr?sident Gordon B. Hinckley, gef?hrt werden.

Ohne die Wiederherstellung w?rden wir wahrscheinlich annehmen, dass das Wort Gottes in seiner Ganzheit in der Bibel zu finden ist. So wertvoll und wunderbar diese heilige Schrift auch ist, so w?ssten wir doch nichts vom Buch Mormon und anderen Schriften der Letzten Tage, die uns ewige Wahrheiten lehren, die uns helfen, dem himmlischen Vater und dem Erretter n?her zu kommen.

Ohne die Wiederherstellung h?tten wir nicht die Segnungen der heiligen Handlungen des Priestertums, die f?r Zeit und Ewigkeit g?ltig sind. Wir w?ssten weder von den Bedingungen f?r die Umkehr, noch verst?nden wir die Tatsache der Auferstehung. Der Heilige Geist w?re nicht unser st?ndiger Begleiter.

Wenn wir wirklich verstehen, was f?r ein gro?er Segen das Evangelium Jesu Christi in unserem Leben ist, wenn wir diese ewigen Wahrheiten annehmen und uns zu Eigen machen und zulassen, dass sie uns tief in Herz und Seele dringen, dann erleben wir eine ?m?chtige Wandlung? (Alma 5:14) im Herzen. Wir sind von Liebe und Dankbarkeit erf?llt. Wie der Prophet Alma schrieb, ist uns zumute, als sollten wir f?r alle, die ihn h?ren wollen, ?den Gesang der erl?senden Liebe singen? (Alma 5:26).

?O dass ich ein Engel w?re?, sagt Alma, ?und mein Herzenswunsch wahr w?rde, dass ich hinausgehen und mit der Posaune Gottes sprechen k?nnte, mit einer Stimme, die die Erde ersch?ttert, und jedes Volk zur Umkehr rufen k?nnte.

Ja, ich w?rde einer jeden Seele ? den Plan der Erl?sung verk?nden, dass sie umkehren und zu unserem Gott kommen sollen, damit es auf dem Antlitz der ganzen Erde kein Leid mehr gebe.? (Alma 29:1,2.)

So sollte es auch mit uns sein, meine Br?der und Schwestern. Unsere Liebe zum Herrn und unsere Dankbarkeit f?r die Wiederherstellung des Evangeliums ist alles, was wir an Motivation brauchen, um andere an dem teilhaben zu lassen, was uns viel Freude und Gl?ck bereitet. Das ist f?r uns die nat?rlichste Sache der Welt, und doch z?gern viel zu viele von uns, anderen ihr Zeugnis zu geben.

?berall in der Welt reagieren Missionare auf diese Freude, die ihnen das Zeugnis gibt, indem sie anderen Menschen das Evangelium bringen. Viele von ihnen kommen mit ihrer eigenen markierten und sorgf?ltig gelesenen Ausgabe der Anleitung Verk?ndet mein Evangelium! in die Missionarsschule. Es freut mich, Ihnen berichten zu k?nnen, dass sie durch die Verwendung dieser Anleitung immer besser bef?higt werden, mit eigenen Worten und mit der Macht des Geistes zu lehren und ihre Lektionen den Bed?rfnissen der Menschen, die sie belehren, anzupassen. So nehmen sie gro?en Einfluss auf das Leben vieler Menschen.

Was sie nun brauchen, sind, ganz offen gesagt, mehr Menschen zum Belehren. Erfahrungsgem?? ergeben sich die besten Situationen zum Belehren, wenn unsere Mitglieder sich am Finden und Belehren beteiligen. Das ist nichts Neues ? das haben Sie schon fr?her geh?rt. Manche von Ihnen f?hlen sich vielleicht sogar schuldig, weil sie den Missionaren nicht viel helfen.

Heute fordere ich Sie auf, sich zu entspannen und Ihre Bedenken beiseite zu legen. Konzentrieren Sie sich stattdessen auf die Liebe, die Sie f?r den Herrn empfinden, auf Ihr Zeugnis von seiner ewigen Existenz und auf Ihre Dankbarkeit f?r alles, was er f?r Sie getan hat. Wenn Sie wirklich durch Liebe, Ihr Zeugnis und Dankbarkeit motiviert sind, werden Sie ganz nat?rlich alles tun, was Ihnen m?glich ist, um dem Herrn dabei zu helfen, ?die Unsterblichkeit und das ewige Leben? (Mose 1:39) der Kinder unseres Vaters zustande zu bringen. In der Tat w?re es unm?glich, Sie davon abzuhalten.

Der Erretter selbst hat uns den Weg gezeigt, als er seine J?nger aufforderte, zu kommen und zu sehen, ?wo er wohnte, und [sie] blieben jenen Tag bei ihm? (Johannes 1:39). Warum, meinen Sie, hat er das getan? Der Bericht in der Schrift erl?utert nicht, warum er es tat. Aber ich bin sicher, dass es nichts mit Bequemlichkeit zu tun hatte. So wie er es immer tat, lehrte er. Wie h?tte er seine J?nger besser belehren k?nnen, als sie zu sich einzuladen, damit sie seine gro?artige Botschaft aus erster Hand sehen und erleben konnten.

Auf die gleiche Weise kann unser Zuhause ein Ort sein, an dem wir das Evangelium an Menschen, die wir kennen und lieben, weitergeben, wenn sie zu uns kommen und das Evangelium aus erster Hand in Wort und Tat erleben. Wir k?nnen das Evangelium ohne formelle Lektion weitergeben. Unsere Familie kann unsere Lektion sein und der Geist, der von unserem Zuhause ausgeht, unsere Botschaft.

Ein Zuhause zu haben, in dem man das Evangelium weitergibt, wird nicht nur denjenigen, die wir zu uns einladen, ein Segen sein, sondern auch denen, die darin leben. Wenn wir in solch einem Zuhause leben, wird unser Zeugnis st?rker, und unser Verst?ndnis vom Evangelium nimmt zu. Im Buch Lehre und B?ndnisse steht, dass uns unsere S?nden vergeben werden k?nnen, wenn wir einem anderen dabei helfen, umzukehren (siehe LuB 62:3). Wir finden gro?e Freude, wenn wir anderen helfen, zu Christus zu kommen und die erl?sende Macht seiner Liebe zu sp?ren (siehe LuB 18:14-16). Unsere Familie wird gesegnet, wenn das Zeugnis und der Glaube der Eltern und auch der Kinder st?rker werden.

In einem Zuhause, in dem das Evangelium weitergegeben wird, beten wir um F?hrung f?r uns selbst, und wir beten f?r das k?rperliche und geistige Wohlergehen anderer. Wir beten f?r die Menschen, die von den Missionaren belehrt werden, f?r unsere Bekannten und f?r diejenigen, die nicht unserer Kirche angeh?ren. Zur Zeit Almas h?tte man sich in einem solchen Zuhause ?in Fasten und m?chtigem Beten f?r das Wohlergehen der Seele derer ?, die Gott nicht kannten?, vereint (Alma 6:6).

Ein Zuhause zu schaffen, in dem das Evangelium an andere weitergegeben wird, ist die einfachste und wirksamste Art, anderen das Evangelium mitzuteilen. Und wir sprechen nicht nur von dem klassischen Zuhause mit einer Familie, die aus Eltern besteht, die mit ihren Kindern zusammenwohnen. Studenten k?nnen ein Zuhause schaffen, in dem das Evangelium weitergegeben wird, wenn sie die W?nde in ihrer Wohnung mit Bildern schm?cken, die Geistiges darstellen statt der Dinge der Welt. ?ltere Ehepaare und alleinstehende Mitglieder geben ein Beispiel f?r solch ein Zuhause, wenn sie neue Nachbarn willkommen hei?en und sie einladen, in die Kirche zu kommen und sie zu Hause zu besuchen.

In einem solchen Zuhause spielen die Kinder aus der Nachbarschaft gerne, wobei es sich ganz nat?rlich ergibt, sie und ihre Familie in die Kirche, zum Familienabend oder zu irgendeiner anderen Unternehmung einzuladen. Teenager, die ein solches Zuhause besuchen, scheuen sich nicht, Fragen zu stellen oder mit der Familie zu beten.

Ein Zuhause, in dem das Evangelium an andere weitergegeben wird, ist ganz normal. Vielleicht ist es nicht immer blitzblank sauber, und die Kinder benehmen sich nicht tadellos. Aber es ist ein Ort, an dem die Familienmitglieder sich offensichtlich lieb haben, und wer zu Besuch kommt, f?hlt den Geist des Herrn.

Wenn wir schon dar?ber sprechen, was ein Zuhause ist, in dem das Evangelium weitergegeben wird, ist es vielleicht auch hilfreich, auf einiges hinzuweisen, was ein solches Zuhause nicht ist.

Ein Zuhause, in dem man das Evangelium weitergibt, ist kein Programm. Es ist eine Lebensweise. Ein Zuhause zu schaffen, in dem man das Evangelium weitergibt, bedeutet, Freunde und Nachbarn in den st?ndigen Strom von Unternehmungen der Familie und der Kirche mit einzubeziehen. Wenn wir unsere Freunde einladen, mit uns an diesen Unternehmungen teilzunehmen, werden auch sie den Geist sp?ren.

Ein solches Zuhause zu schaffen hei?t nicht, dass wir viel Zeit investieren m?ssen, um Freunde zu finden und vorzubereiten, damit wir ihnen das Evangelium bringen k?nnen. Diese Freundschaften werden sich ganz nat?rlich ergeben, und wenn wir von Anfang an offen ?ber unsere Mitgliedschaft in der Kirche reden, k?nnen wir leicht Gespr?che ?ber das Evangelium in die Beziehung einbringen, ohne gro? Gefahr zu laufen, missverstanden zu werden. Freunde und Bekannte werden akzeptieren, dass dies ein Teil von uns ist, und sie werden von sich aus Fragen stellen.

Ein Zuhause, in dem man das Evangelium weitergibt, zeichnet sich nicht dadurch aus, dass Menschen sich aufgrund unseres Umgangs mit ihnen der Kirche anschlie?en. Wir haben die Gelegenheit und die Pflicht, uns zu k?mmern, zu informieren, Zeugnis zu geben und einzuladen. Dann m?ssen wir dem Einzelnen gew?hren, seine eigene Entscheidung zu treffen.

Wir sind gesegnet, wenn wir jemandem die M?glichkeit gegeben haben, sich mit der Wiederherstellung zu befassen, ungeachtet dessen, was dabei herauskommt.

Zumindest haben wir eine lohnende Beziehung zu jemandem, der einen anderen Glauben hat, und wir k?nnen weiterhin seine Freundschaft genie?en.

In einem Zuhause, in dem das Evangelium weitergegeben wird, beten wir nicht nur f?r die Gesundheit, die Sicherheit und den Erfolg unserer Missionare in der ganzen Welt. Wir beten auch f?r unsere eigenen missionarischen Erlebnisse und Gelegenheiten und daf?r, dass wir bereit sind, diesen Eingebungen zu folgen, wenn wir sie erhalten. Und ich verspreche Ihnen: Sie werden sie erhalten.

Vor ?ber 20 Jahren habe ich gesagt, dass der Schl?ssel zu erfolgreicher Missionsarbeit f?r die Mitglieder darin liegt, dass sie Glauben aus?ben. Eine M?glichkeit, wie Sie Ihren Glauben an den Herrn und an seine Verhei?ungen zeigen k?nnen, ist, dass Sie gebeterf?llt ein Datum setzen, bis zu dem Sie jemanden darauf vorbereitet haben wollen, sich mit den Missionaren zu treffen. Ich habe hunderte Briefe von Mitgliedern erhalten, die ihren Glauben auf diese einfache Art ausge?bt haben. Auch wenn eine Familie niemanden im Sinn hatte, dem sie das Evangelium bringen konnte, setzte sie ein Datum, betete und sprach dann mit vielen weiteren Menschen. Der Herr ist der gute Hirte, und er kennt seine Schafe, die bereit sind, seine Stimme zu h?ren. Er wird uns f?hren, wenn wir um seine g?ttliche Hilfe bei der Verbreitung seines Evangeliums bitten.

Eine Schwester in Frankreich wurde nach dem Geheimnis ihres Erfolges gefragt. Sie sagte: ?Ich gebe einfach meine Freude weiter. Ich gehe mit jedem so um, als w?re er bereits ein Mitglied der Kirche. Wenn ich neben jemandem in einer Schlange anstehe und ein Gespr?ch anfange, erz?hle ich, wie gut mir die Kirchenversammlungen am Sonntag gefallen haben. Wenn meine Kollegen mich fragen: ?Was hast du an diesem Wochenende gemacht??, gehe ich nicht von Samstagabend auf Montagmorgen ?ber. Ich erz?hle ihnen, dass ich in die Kirche gegangen bin, was gesagt wurde und was ich mit mit den Heiligen erlebt habe. Ich spreche davon, wie ich lebe, was ich denke und was ich f?hle.?

In einem Zuhause, in dem das Evangelium weitergegeben wird, sprechen wir im Familienrat und in Unterhaltungen ?ber unsere missionarischen Bem?hungen. Eine gl?ubige Familie unterhielt sich einmal dar?ber, dass jedes Familienmitglied ein Vorbild sein muss. Der Sohn hatte einen Trainer in seiner Schulmannschaft, der kein Mitglied der Kirche war. Dieser sandte sp?ter eine Spende an die Kirche. Warum? Weil dieser junge Mann ihn beeindruckt hatte durch seinen Mut, seine Meinung zu sagen und seine Mannschaftskameraden aufzufordern, keine schmutzigen Ausdr?cke zu gebrauchen. Es gibt Tausende von Erlebnissen, die man erz?hlen k?nnte, wo Menschen sich der Kirche angeschlossen haben aufgrund des Geistes und der Einstellung, die sie im Leben von jemandem beobachtet haben, der aus einem Zuhause stammt, in dem das Evangelium an andere weitergegeben wird.

Literatur oder DVDs der Kirche k?nnen neue Freunde mit der Kirche bekannt machen. Eine Einladung, die Ansprache eines Familienmitglieds in der Abendmahlsversammlung anzuh?ren oder den Taufgottesdienst f?r ein Familienmitglied zu besuchen oder zu einer F?hrung durch das Gemeindehaus, ist schon bei vielen gut angekommen, die nicht der Kirche angeh?ren. Alles weist darauf hin, dass es nichts Wirksameres gibt, was jeder von uns tun kann, als unsere Freunde einzuladen, ?zu kommen und zu sehen?, indem sie mit uns die Abendmahlsversammlung besuchen. Viel zu viele wissen nicht, dass sie bei unseren Gottesdiensten willkommen sind.

Nat?rlich unterst?tzen wir alle die F?hrer der Gemeinde und helfen, dass der Gemeindemissionsplan Erfolg hat. Unabh?ngig davon, welche Berufung wir in der Kirche haben, helfen wir den F?hrungskr?ften des Priestertums und der Hilfsorganisationen, die Missionare zu unterst?tzen, begr??en Besucher und beziehen sie mit ein und k?mmern uns um neue Mitglieder. Sie k?nnen die Missionare bitten, Ihnen ihren Tagesplaner zu zeigen, damit Sie sehen k?nnen, wie Sie ihnen am besten dabei helfen k?nnen, ihre Ziele zu erreichen. Wenn wir zusammenarbeiten, werden unsere Kapellen, Klassenr?ume und Mehrzweckhallen mit dem Geist unseres Zuhauses, in dem ja das Evangelium an andere weitergegeben wird, ?berflutet.

Ich gebe Zeugnis, dass der Herr uns f?hren wird, damit wir Zehntausende Kinder des himmlischen Vaters finden, die bereit sind, das Evangelium kennen zu lernen, wenn wir nur einige dieser einfachen Dinge tun. Unsere Liebe zum Herrn, unser Dank f?r sein S?hnopfer und seine Mission, alle zu sich zu ziehen, m?ssten f?r uns gen?gend Motivation sein, um das Evangelium mit Erfolg an andere weitergeben zu k?nnen.

M?ge der Herr Sie, meine Br?der und Schwestern, mit gr??erem Glauben und Vertrauen in ihn segnen, wenn Sie auf die Menschen der Welt zugehen, um ihnen nahe zu bringen, dass das Evangelium Jesu Christi wiederhergestellt wurde. Darum bete ich dem?tig im Namen Jesu Christi. Amen.