Elaine S. Dalton
Zweite Ratgeberin in der JD-Pr?sidentschaft
Es hat noch nie eine bessere Zeit auf der Erde gegeben als die heutige. Es sind „unvergessliche Tage“.1 Diese Tage geh?ren euch, und sie sind wundervoll. Auch ihr seid wundervoll! Wenn ich euch so in die Augen schaue und eure strahlenden Gesichter sehe, wundere ich mich, wie ihr in einer so schwierigen Welt so gut, so stark und so rein sein k?nnt. Das erinnert mich an ein Gedicht, das mein Gro?vater immer aufsagte, als ich etwa so alt war wie ihr. Er sagte:
Du musst gar nicht sagen, wie den Tag du verbracht,
musst gar nicht verraten, was du alles gemacht –
ein untr?glich Zeichen beweist, wer du bist,
du musst gar nichts sagen, man sieht, wie es ist:
Bist Gott du recht nah, ist er gn?dig dir dann –
da musst du nichts sagen, man sieht es dir an!2
Ich habe dieses einfache Gedicht nie vergessen und mich immer bem?ht, so zu leben, dass man mir meine Lebensweise wirklich ansieht. Ich kann sehen, dass auch ihr das tut. Das Leuchten in eurem Gesicht kommt daher, dass ihr mit dem Vater im Himmel und seinem Sohn, Jesus Christus, B?ndnisse eingegangen seid und sie haltet und dass ihr Entscheidungen trefft, die euch das Recht geben, den Heiligen Geist bei euch zu haben. Ich bewundere jede Einzelne von euch.
Pr?sident Gordon B. Hinckley nennt euch „die beste [und st?rkste] Generation junger Leute, die es in der Geschichte der Kirche je gegeben hat“.3 Ich denke, ihr seid bereit gemacht und zur?ckbehalten worden, um jetzt zur Erde zu kommen, wo die M?glichkeiten, aber auch die Herausforderungen am gr??ten sind. Ich denke, der Herr erwartet von euch, dass ihr f?hrend in der Sache der Rechtschaffenheit seid und dass ihr „allzeit und in allem und ?berall“, als Zeugen Gottes auftretet.4 Man kann von euch wirklich sagen, dass ihr „eine strahlend leuchtende Hoffnung“5 f?r die Zukunft seid.
Ich glaube, der Apostel Petrus hat auch euch gemeint, als er sagte: „Ihr aber seid ein auserw?hltes Geschlecht, eine k?nigliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die gro?en Taten dessen verk?ndet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.“6
Dieses Licht ist das Licht des Erretters. Es ist das Licht des wiederhergestellten Evangeliums Jesu Christi. Durch die Art und Weise, wie ihr das Evangelium lebt, spiegelt ihr dieses Licht wider. Euer Beispiel wird sich auf der Erde machtvoll zum Guten auswirken. „Erhebt euch und lasst euer Licht leuchten, damit es den Nationen ein Banner sei“7 – das ist ein Aufruf, der euch allen gilt. Es ist der Ruf, euch auf eine h?here Ebene zu begeben. Es ist der Ruf, f?hrend zu sein, was Anstand, Reinheit, Bescheidenheit und Heiligkeit betrifft. Es ist der Ruf, andere an dem Licht teilhaben zu lassen. Es ist an der Zeit, euch zu erheben und euer Licht leuchten zu lassen.
Kann eine einzelne rechtschaffene Junge Dame die Welt ver?ndern? Die Antwort ist ein unmissverst?ndliches Ja! Ihr habt den Heiligen Geist, dass er euch f?hrt, und er „wird ? euch alles zeigen, was ihr tun sollt“.8 Das, was ihr best?ndig – Tag f?r Tag – tut, gibt euch die Kraft, zu f?hren und ein Vorbild zu sein: t?glich beten, t?glich in den heiligen Schriften lesen, t?glich gehorsam sein, t?glich dem N?chsten dienen. Wenn ihr all das tut, kommt ihr dem Erretter n?her und werdet ihm immer ?hnlicher. Wie bei Mose und Abinadi und anderen glaubenstreuen F?hrern9 wird auch euer Gesicht dann durch das Feuer eures Glaubens erstrahlen. „Habt ihr sein Abbild in euren Gesichtsausdruck aufgenommen?“10 „Erhebt euch und lasst euer Licht leuchten.“
1856 schloss sich Mary im Alter von 13 Jahren mit ihrer Familie in England der Kirche an. Sie fuhr nach Amerika und zog mit der Handkarrenabteilung Martin mit. In ihrer Lebensgeschichte berichtet sie ?ber die Schwierigkeiten dieser Reise – wie ihr kleiner Bruder als Baby und dann auch ein ?lterer Bruder starben, wie ihr die F??e abfroren und wie schlie?lich noch ihre j?ngste Schwester und ihre Mutter starben. Als sie im Salzseetal ankam, amputierte ihr ein Arzt die Zehen, aber der Prophet, Brigham Young, gab ihr die Verhei?ung, dass ihr die F??e erhalten bleiben werden. Sie berichtet: „Eines Tages sa? ich da ? und weinte. Meine F??e taten mir so weh! Da klopfte eine kleine, alte Frau an die T?r. Sie sagte, sie sp?re, jemand brauche sie hier ein paar Tage lang. ? Ich zeigte ihr meine F??e. ? Sie sagte: ?Ja, und mit der Hilfe des Herrn werden wir sie trotzdem retten.? Sie r?hrte einen Brei an und legte mir den Umschlag auf die F??e. Jeden Tag kam sie, nachdem der Arzt fortgegangen war, und wechselte den Umschlag. Nach drei Monaten waren meine F??e heil.“11
Mary hatte aber so lange auf dem Stuhl gesessen, dass die B?nder in ihren Beinen steif geworden waren und sie die Beine nicht strecken konnte. Als ihr Vater ihren Zustand sah, weinte er. Er rieb ihr die Beine mit ?l ein und versuchte sie zu strecken, aber es ging nicht. Eines Tages sagte er: „Mary, ich habe mir etwas ausgedacht, was dir helfen kann. Ich nagle ein Brett an die Wand, und wenn ich dann bei der Arbeit bin, versuchst du, dort heranzukommen.“ Das hat sie dann, wie sie sagt, etliche Tage lang von fr?h bis sp?t versucht, bis sie schlie?lich an das Brett herankam. Daraufhin setzte ihr Vater das Brett ein wenig h?her. So ging es noch drei Monate weiter, und da sie sich t?glich M?he gab, konnte sie ihre Beine schlie?lich wieder strecken und lernte wieder laufen.12
Ich glaube, dass auch ihr, wie Mary Goble, lernt, euch noch ein wenig mehr zu strecken, um das Brett zu erreichen, das unsere F?hrer h?her gesetzt haben, und wenn ihr euch immer mehr streckt, je h?her die Ideale angesetzt sind, k?nnt ihr der Zukunft mit Zuversicht begegnen.
In den Gesichtern der Jungen Damen in Westafrika leuchtet das strahlende Licht des Heiligen Geistes. Sie leben nach den Ma?st?ben aus der Brosch?re F?r eine starke Jugend, lassen sich vom Geist leiten und bereiten sich darauf vor, eines Tages F?hrerinnen zu sein. Sie lieben den Herrn und sind dankbar, dass er ihnen sein Licht gegeben hat. Einige dieser M?dchen sind drei Stunden gelaufen, um mir Zeugnis zu geben. Ihr Beispiel hat einen anderen Menschen aus mir gemacht.
Als ich in S?damerika war, sangen die Jungen Damen und ihre F?hrerinnen: „Ich m?chte so sein wie Jesus.“13 Sie sangen die Worte nicht nur, sondern meinten auch, was sie sangen. In Asien, in Indien sind die Jungen Damen beispielhaft, was Glauben, anst?ndige Kleidung und Reinheit angeht. Ihre Augen leuchten, und sie sind gl?cklich. Die Jungen Damen in England, Irland und Wales stehen an ihren Schulen f?r Wahrheit und Rechtschaffenheit ein. In einer Welt, die sich immer mehr verfinstert, heben sie sich ab. Einige unter euch sind die einzigen Mitglieder in ihrer Familie oder an ihrer Schule. Ihr hebt euch ab. Ihr f?hrt in Rechtschaffenheit.
Vor nicht allzu langer Zeit wanderte ich mit einer Gruppe Jugendlicher auf den Ensign Peak hinauf. Von dort sahen wir auf Salt Lake City und den Tempel hinab und sprachen ?ber die Opfer, die so viele um des Evangeliums willen gebracht hatten. Dann rollte jeder Jugendliche eine Fahne auf. Auf ihren Fahnen hatten sie symbolisch dargestellt, was sie der Welt zu sagen hatten – wof?r sie in diesen Letzten Tagen einstehen wollten. Ich war begeistert, als ich miterlebte, wie fest entschlossen alle waren und was f?r ein Zeugnis sie hatten. Wir sangen dann „Hoch auf des Berges H?hn“14, und die Jugendlichen riefen alle zusammen: „Hurra, Israel!“15 Diese Worte m?chte ich heute aufgreifen. Ein Hurra euch allen! Ich hoffe, ihr z?gert nie, „euer Licht vor den Menschen leuchten [zu lassen], damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen“.16 Ich hoffe, auch ihr haltet eure Fahne hoch. Ich wei?: Wenn ihr in Rechtschaffenheit f?hrend t?tig seid, geht diese Schriftstelle in Jesaja in Erf?llung: „Denn siehe, ? ?ber dir geht leuchtend der Herr auf, seine Herrlichkeit erscheint ?ber dir.“17 Sie wird gut zu erkennen sein, und „V?lker wandern zu deinem Licht und K?nige zu deinem strahlenden Glanz“.18
Ich sehe eine Zeit, da wird die Welt auf euch schauen und fragen: „Wer seid ihr? Wer sind diese jungen Frauen, die solch ein Licht ausstrahlen? Weshalb seid ihr so gl?cklich? Woher wisst ihr, wo ihr in dieser verworrenen Welt hinwollt?“ Und ihr werdet euch erheben, aufrecht dastehen und voller ?berzeugung sagen: „Wir sind T?chter unseres himmlischen Vaters, der uns liebt und den wir lieben. Wir wollen allzeit und in allem, wo auch immer wir uns befinden, als Zeugen Gottes auftreten.“19
Mein Aufruf an euch ist derselbe, den auch Moroni ausgesprochen hat: „Erwache und erhebe dich ?, o Tochter Zion.“20 Er hat euch gesehen. Er hat unsere heutige Zeit gesehen. Es ist eure Zeit! Es liegt an euch, ob ihr euch entschlie?t, euch zu erheben und euer Licht leuchten zu lassen. Ich glaube, wenn ihr euch erhebt und euer Licht leuchten lasst, dann wird es den V?lkern als Ma?stab dienen, und ich glaube auch, dass eure Ma?st?be den V?lkern ein Licht sein werden. Ihr seid anders. Ihr habt euch schon im vorirdischen Dasein hervorgehoben. Eure Abstammung bringt ein B?ndnis und Verhei?ungen mit sich. Ihr habt die geistigen Eigenschaften der Glaubenstreuen geerbt – ja, die von Abraham, Isaak und Jakob. Euer ureigenstes Wesen spiegelt euer g?ttliches Erbe und eure g?ttliche Bestimmung wider. Die Tatsache, dass ihr als M?dchen zur Welt gekommen seid, ist kein Zufall. Eure g?ttlichen Z?ge werden zunehmen, wenn ihr andere f?hrt und euch zu eurem g?ttlichen Potenzial aufschwingt. Naht euch dem Erretter. Er lebt! Er ist das Licht, das Leben und die Hoffnung der Welt. Er wird euch f?hren und euch den Mut geben, euer Licht leuchten zu lassen. Wie sagte doch mein Gro?vater? „Bist Gott du recht nah, ist er gn?dig dir dann – da musst du nichts sagen, man sieht es dir an.“ Im Namen Jesu Christi. Amen.