Elder H. Bruce Stucki
von den Siebzigern
Es war der Tag nach Weihnachten 1946 in Santa Clara, Utah. Als neunj?hriger Junge fragte ich meine Mutter, ob ich mit meinem Weihnachtsgeschenk – ich hatte Pfeil und Bogen bekommen – auf dem H?gel hinter unserem Haus Kaninchen jagen gehen d?rfte. Es war sp?ter Nachmittag und meine Mutter z?gerte, aber auf mein Dr?ngen hin lie? sie mich schlie?lich gehen, allerdings nur, wenn ich bevor es dunkel war wieder zu Hause w?re.
Als ich oben auf dem H?gel angekommen war, legte ich einen Pfeil auf den Bogen und fing an, leise durch das Gestr?pp zu gehen, in der Hoffnung, ein Kaninchen zu sehen, das unter den B?schen fra?, wo das zarte Gras noch immer gr?n war.
Ich wurde von einem gro?en Wildkaninchen erschreckt, das direkt vor mir aus einem Salbeibusch heraussprang. Ich spannte den Bogen, zielte schnell und lie? den Pfeil auf das fliehende, davonjagende Kaninchen zufliegen. Der Pfeil verfehlte sein Ziel, und das Kaninchen verschwand im Geb?sch vor mir.
Ich ging zu der Stelle, wo der Pfeil meiner Meinung nach zu Boden gefallen war, um ihn zur?ckzuholen. Zum Bogen geh?rten nur f?nf Pfeile, und ich wollte diesen nicht verlieren. Ich sah dort nach, wo der Pfeil h?tte liegen m?ssen, er war aber nicht da. Ich suchte den ganzen Bereich ab, wo der Pfeil gelandet sein musste, konnte ihn aber nicht finden.
Im Westen ging die Sonne unter; ich wusste, dass es in etwa drei?ig Minuten dunkel sein w?rde, und ich wollte nicht zu sp?t nach Hause kommen. Ich suchte noch einmal das Gebiet ab, wo der Pfeil h?tte sein sollen; ich sah gr?ndlich unter jeden Busch, aber er war nicht zu finden.
Die Zeit wurde knapp, und ich musste mich auf den R?ckweg machen, um zu Hause zu sein, bevor es dunkel war. Ich beschloss, zu beten und den himmlischen Vater zu bitten, mir zu helfen, den Pfeil zu finden. Ich ging auf die Knie, schloss meine Augen und betete zum Vater im Himmel. Ich sagte ihm, dass ich meinen neuen Pfeil nicht verlieren wollte, und bat ihn, mir zu zeigen, wo ich ihn finden konnte.
Noch auf den Knien ?ffnete ich meine Augen, und dort im Salbeibusch, direkt vor mir auf Augenh?he, sah ich, halb versteckt von den Zweigen, die farbigen Federn des Pfeils. Ich ergriff den Pfeil und rannte nach Hause; kurz vor Einbruch der Dunkelheit kam ich an.
Ich werde dieses besondere Erlebnis nie vergessen. Der himmlische Vater hatte mein Gebet beantwortet. Das war das erste Mal, dass ich um Hilfe gebetet hatte, ? und er half mir! An jenem Abend lernte ich, Glauben zu haben und auf den himmlischen Vater zu vertrauen.
Wenn wir Hilfe brauchen – selbst wenn es sich um einen naiven kleinen Jungen mit einem wichtigen Anliegen handelt – h?rt der himmlische Vater unser Beten und gibt uns liebevoll die F?hrung, um die wir bitten.
Jesus Christus, unser Erretter, hat zu uns gesagt: „Sei dem?tig, dann wird der Herr, dein Gott, dich an der Hand f?hren und dir auf deine Gebete Antwort geben.“1
Jakobus unterweist uns in der heiligen Schrift:
„Fehlt es aber einem von euch an Weisheit, dann soll er sie von Gott erbitten; Gott wird sie ihm geben, denn er gibt allen gern und macht niemand einen Vorwurf.
Wer bittet, soll aber im Glauben bitten und nicht zweifeln.“2
Pr?sident James E. Faust hat gesagt: „Ein inbr?nstiges, aufrichtiges Gebet ist eine Verst?ndigung in zwei Richtungen, die viel dazu beitr?gt, dass sein Geist wie heilendes Wasser flie?t, um uns in Pr?fungen, Not, Schmerzen und M?hen, die jeder von uns erf?hrt, zu helfen.“3
Das Gebet ist ein Trittstein auf dem Weg, der uns zum ewigen Leben beim Vater im Himmel f?hrt.
Der Glaube ist ein weiterer Trittstein, der f?r unsere ewige Erl?sung entscheidend ist!
Der Erretter hat auch gesagt: „Und alles, was ihr den Vater in meinem Namen bittet, sofern es recht ist und ihr glaubt, dass ihr empfangen werdet, siehe, das wird euch gegeben werden.“4
Vor drei?ig Jahren ereignete sich im entlegensten Teil Neuseelands eine wahre Geschichte. Die dem Wind stark ausgesetzten Chatham-Inseln befinden sich im S?dpazifik ungef?hr achthundert Kilometer ?stlich von Christchurch. 650 abgeh?rtete, einfallsreiche Menschen lebten dort isoliert in dem einsamen, rauen Umfeld jener Tage; ein junger, unerfahrener Arzt, der gerade seine Ausbildung abgeschlossen hatte, war f?r ihre medizinische Versorgung zust?ndig.
Ein achtj?hriger Junge namens Shane hatte sich 65 Kilometer entfernt auf der anderen Seite der Insel eine schwere Kopfverletzung zugezogen. Man hatte ihn auf dem R?cksitz eines alten rostigen Autos eilig ?ber das Sumpfland und entlang der Str?nde in das kleine Krankenhaus gebracht, ein kleines Landhaus mit vier Betten. Er war bewusstlos.
Der junge Arzt, der wenig Erfahrung und nur eine Grundausstattung chirurgischer Instrumente hatte, war auf einen solchen Fall nicht vorbereitet. Shane befand sich in einem kritischen Zustand. Es gab offensichtlich eine Blutung innerhalb seines gebrochenen Sch?dels – und Blutgerinnsel konnten zu einer t?dlichen Hirnquetschung f?hren. Der Arzt hatte noch nie eine Hirnoperation mitverfolgt, aber er wusste, dass er die heikle Operation sofort durchf?hren oder zusehen musste, wie ein kleiner Junge starb.
Es mussten Blutspender herbeigerufen, die Blutgruppen mit der des Patienten verglichen und die Narkose vorbereitet werden. Das veraltete R?ntgenger?t war kaputt gegangen, sodass keine hilfreichen Aufnahmen gemacht werden konnten.
Es erfolgte das erste von vielen Telefongespr?chen nach Wellington, von wo aus ein Neurochirurg versuchte, sich die Sachlage vorzustellen und den nerv?sen jungen Arzt durch einen sehr heiklen Operationsvorgang zu f?hren.
Shanes Mutter betete. Der Arzt, die Krankenschwestern und die Frau des Arztes beteten.
In der allgemeinen Hektik mussten Aufgaben delegiert werden. Ein Polizist f?hrte die Narkose durch, eine Krankenschwester wurde zur Operationsassistentin, und als die Dunkelheit hereinbrach, begann die Arbeit unter einer verstellbaren Schreibtischlampe.
Der erste, nerv?s vollzogene operative Schnitt lie? keinerlei Blutung sichtbar werden, also mussten weitere Schnitte durch Shanes kleinen Sch?del gezogen werden, um die Blutung zu finden. Es erfolgten weitere Anrufe beim Neurochirurgen mit der Bitte um Anweisungen und Best?tigung; sein Rat wurde in allen Einzelheiten befolgt. Nach sechs Stunden voller Sorge und Anspannung war die Operation abgeschlossen, die Hirnblutung gestillt und ein erfolgreiches Ergebnis erzielt. Ruhe trat an die Stelle des Chaos. Es war gegen Mitternacht.
Der Arzt war ein junger Vater. Er dachte an seine Familie und an die Segnungen, derer sie sich erfreuten. Er war dankbar f?r die wiederholte liebevolle, gro?e Barmherzigkeit des Herrn in seinem Leben und vor allem f?r die Gegenwart des Tr?sters w?hrend jener letzten zw?lf Stunden. Er war dankbar f?r die Gegenwart eines unsichtbaren Experten, der sein weitaus gr??eres Wissen bereitwillig weitervermittelte, als es gebraucht wurde.
Im entscheidenden Moment in einer verzweifelten Lage sorgte der Herr f?r F?hrung und gab einem jungen, unerfahrenen Arzt die F?higkeit, ein Wunder zu vollbringen und das Leben eines kleinen Jungen zu bewahren, der dem Herrn kostbar war.
Neil Hutchison war dieser junge Arzt, der um Hilfe gebetet und den Glauben gehabt hatte, sich auf den Herrn und den Neurochirurgen zu verlassen, was ihn bef?higte, unter den schwierigsten Bedingungen ein Wunder zu vollbringen. Er ist heute Bischof der Gemeinde East Coast Bays in Auckland, Neuseeland.
Bischof Hutchinson erz?hlte mir: „Ich hatte vor einigen Jahren zum ersten Mal seit jenem Tag im Jahr 1976 die Gelegenheit, Shane und seinen Vater in Christchurch zu treffen. Er ist Elektriker, hat sein eigenes Unternehmen und ist sich keiner Sch?den bewusst, die von dieser langen Operation herr?hren. Er ist so ein netter Kerl, und mich l?sst der Gedanke nicht los, wie d?nn der Schleier zwischen diesem und dem n?chsten Leben doch ist.“
„Und Christus hat gesagt: Wenn ihr Glauben an mich habt, werdet ihr Macht haben, alles zu tun, was mir ratsam ist.“5
Elder Richard G. Scott hat gesagt: „Sie werden die Frucht des Glaubens ernten, wenn Sie die Prinzipien befolgen, die Gott dazu festgelegt hat.“ Eines dieser Prinzipien ist, „Gott [zu] vertrauen ? und seiner Bereitschaft zu helfen, so schwierig die Umst?nde auch sein m?gen“6.
Elder Robert D. Hales hat Zeugnis gegeben: „Joseph Smith [?bte] als vierzehnj?hriger Junge ? unersch?tterlichen Glauben aus und folgte der Aufforderung des Propheten Jakobus, Gott zu bitten. Weil er als Prophet ausersehen war, erschienen ihm Gott der Vater und sein Sohn Jesus Christus, um ihn zu unterweisen.“7
Pr?sident Thomas S. Monson hat uns aufgefordert: „Wenn wir mit der Familie und f?r uns allein beten, dann wollen wir dies voller Glauben an den Herrn und voller Vertrauen auf ihn tun. Wenn es jemanden unter uns gibt, der den Rat, immer zu beten, bisher missachtet hat, dann ist jetzt die beste Zeit, damit zu beginnen.“8
Es spielt keine Rolle, ob es ein kleiner Junge ist, der eine einfache Bitte hat, oder ein Arzt, bei dessen Aufgabe es um Leben und Tod geht: Der himmlische Vater wird unser dem?tiges Gebet h?ren und uns den Trost und die F?hrung geben, um die wir bitten.
Ein dritter Trittstein und ein wesentlicher Bestandteil des Weges, der uns sicher nach Hause zum Vater im Himmel f?hrt, ist die Familie.
Pr?sident Gordon B. Hinckley hat gesagt: „Die Familie ist von Gott eingesetzt. Sie ist vom himmlischen Vater geschaffen worden und ist die heiligste Beziehung ?berhaupt. Nur durch die Familie lassen sich die Absichten des Herrn verwirklichen.“9
Pr?sident Hinckley f?hrt fort: „Ich glaube an die Familie, wo der Mann seine Frau als seinen gr??ten Schatz betrachtet und sie dementsprechend behandelt, und wo die Frau in ihrem Mann ihren Halt und ihre St?rke sieht, ihren Trost und ihre Sicherheit, wo die Kinder voll Achtung und Dankbarkeit auf ihre Eltern blicken, wo die Eltern ihre Kinder als Segen betrachten und in ihrer Erziehung eine erhabene und wunderbare Herausforderung sehen.“10
Ich glaube aufrichtig, dass in der Heiligkeit der Familie unsere gegenseitige Liebe, Loyalit?t, Achtung und Unterst?tzung zu einem heiligen Schild werden kann, der uns vor den feurigen Pfeilen des Teufels bewahrt. Im Kreis der Familie und erf?llt mit der Liebe Christi k?nnen wir Frieden, Gl?ck und Schutz vor der Schlechtigkeit der Welt, die uns umgibt, finden.
Ich bezeuge, dass die Familie die Einheit und das Mittel ist, durch das wir aneinander gesiegelt werden und einmal als Familie in die Gegenwart unserer himmlischen Eltern zur?ckkehren k?nnen, um dort ewige Freude und ewiges Gl?ck zu erfahren.
Ich bete aufrichtig darum, dass wir die Trittsteine Gebet, Glaube und Familie nutzen, die uns darauf vorbereiten und uns helfen, zum Vater im Himmel zur?ckzukehren und ewiges Leben zu erlangen, damit der eigentliche Zweck, weshalb wir auf dieser Erde sind, erf?llt wird. Im Namen Jesu Christi. Amen.